Nach jahrelangen Verzögerungen hat Boeing nun die Zulassung für die 737 Max 10 erhalten. Doch dieser wichtige wirtschaftliche Erfolg steht weiterhin im Schatten zweier Flugzeugabstürze. Insgesamt 346 Todesopfer waren zu beklagen, außerdem gab es erhebliche Sicherheits- und Qualitätsprobleme. Der Fall wirft eine grundlegende Frage auf: Wie können Unternehmen aus schwerwiegenden Fehlern lernen und verlorenes Vertrauen zurückgewinnen?
Mit der Zulassung der 737 Max 10 durch die US-Luftfahrtaufsichtsbehörde FAA hat Boeing einen wichtigen Schritt zur Bewältigung seiner langjährigen Krise geschafft. Für das Flugzeug mit bis zu 230 Sitzplätzen liegen bereits mehr als 1.500 Bestellungen vor. Aber noch im September hatte ein weiterer Softwarefehler die Zertifizierung verzögert, nach eingehender Prüfung jedoch nicht als Hindernis eingestuft. Die Vorgeschichte bleibt dennoch belastend, immerhin spielte bei den Abstürzen der Jahre 2018 und 2019 fehlerhafte Flugsteuerungssoftware eine zentrale Rolle. Untersuchungen deckten zudem Schwächen bei Sicherheitsprüfungen, Schulungen und Kontrollprozessen auf. Ein weiterer schwerwiegender Zwischenfall im Jahr 2024 verstärkte die Zweifel am Qualitätsmanagement. Für den ehemaligen Flugkapitän und Unternehmensberater Bruno Dobler zeigt diese Entwicklung, wie entscheidend ein systematischer Umgang mit Fehlern ist. „In komplexen Systemen entsteht eine Katastrophe selten durch einen einzigen Fehler. Gefährlich wird es, wenn Warnsignale übersehen, Risiken unterschätzt und notwendige Konsequenzen nicht gezogen werden.“
In seinem Vortrag „Denken/Handeln wie ein Pilot – damit aus Fehlern kein Crash entsteht“ zeigt der Schweizer Keynote-Speaker Dobler, warum eine offene Fehlerkultur für Unternehmen ebenso wichtig ist wie für die Luftfahrt. Als Pilot und langjähriger Unternehmer weiss er, dass selbst kleine Fehler zu einem folgenschweren Unglück führen können. Entscheidend sind deshalb ein ausgeprägtes Risikobewusstsein und die Fähigkeit, jedes Risiko realistisch einzuschätzen. Aber auch die Überzeugungskraft und Integrität, erkannte Probleme auch gegen Widerstände offen anzusprechen, ist wichtig. „Wer Fehler verschweigt, verhindert nicht das nächste Unglück, sondern erhöht dessen Wahrscheinlichkeit! Sicherheit entsteht dort, wo Menschen Verantwortung übernehmen und aus Fehlern lernen“, betont Dobler.
Der Unternehmer verdeutlicht anhand bewährter Verfahren aus der Luftfahrt, wie eine solche Fehlerkultur im Unternehmensalltag funktionieren kann. Dazu gehören das frühzeitige Melden von Schwachstellen, die systematische Analyse von Ursachen und das gezielte Trainieren kritischer Situationen. Als Pilot und Instruktor hat er selbst erlebt, wie das Simulieren von Fehlern dabei hilft, Risiken besser einzuschätzen und riskante Entwicklungen frühzeitig zu stoppen. Voraussetzung dafür ist ein Führungsverständnis, das Offenheit fördert, statt Mitarbeitende durch Schuldzuweisungen zum Schweigen zu bringen. Unternehmen können so nicht nur ihre Sicherheit erhöhen, sondern auch ihre Widerstandsfähigkeit stärken und Wettbewerbsvorteile erzielen. „Der Fall Boeing macht jedoch auch deutlich, dass die Behebung technischer Mängel nur ein Teil der Aufgabe ist. Verlorenes Vertrauen lässt sich nicht allein durch eine neue Zulassung zurückgewinnen, sondern vor allem durch einen dauerhaft verantwortungsvollen Umgang mit Fehlern“, so der Schweizer Keynote-Speaker.
(Bildquelle: iStock/Ian Dewar Photography)
Der Fall Boeing 737 Max: Neue Zulassung mit Beigeschmack