Warum Tablets allein nicht reichen: Im Gespräch mit Stephan Albani wirbt der ZBI für mehr Praxis und technische Kompetenz im Unterricht.
Berlin, 15. Oktober 2026 - Wie wird aus digital ausgestatteten Schulen eine Generation, die technische Zusammenhänge versteht und die Zukunft aktiv mitgestalten kann? Diese Frage stand im Mittelpunkt eines Gesprächs zwischen dem Hauptvorstand des Zentralverbands der Ingenieurvereine (ZBI) und dem Bundestagsabgeordneten Stephan Albani im Deutschen Bundestag. Anlässlich seiner Hauptvorstandssitzung nutzte der ZBI die Gelegenheit, seine Position zum Digitalpakt 2.0 und seine Vorschläge zur Stärkung der naturwissenschaftlichen und technischen Bildung vorzustellen.
Stephan Albani unterstrich die Bedeutung digitaler Bildung für die Zukunft des Landes: "Wir müssen junge Menschen befähigen, neue Technologien nicht nur zu nutzen, sondern sie auch zu verstehen und verantwortungsvoll weiterzuentwickeln. Dafür brauchen wir starke MINT-Angebote und eine enge Zusammenarbeit zwischen Schulen, Hochschulen und der beruflichen Praxis."
Für den ZBI ist entscheidend, dass der Digitalpakt 2.0 nicht auf die technische Ausstattung der Schulen beschränkt bleibt. Neben Geräten und Software brauche es qualifizierte Lehrkräfte, eine zeitgemäße Unterrichtsentwicklung und vor allem mehr Gelegenheiten, Technik praktisch zu erleben. Denn der Bedarf an Ingenieurinnen und Ingenieuren sowie an weiteren technischen Fachkräften bleibt eine zentrale Herausforderung für Wirtschaft und Gesellschaft.
"Wir dürfen digitale Bildung nicht auf die Frage reduzieren, welche Geräte in den Klassenzimmern stehen. Junge Menschen müssen früh erfahren, wie Technik funktioniert und was sie bewirken kann. Wer den Ingenieurnachwuchs sichern will, muss die Begeisterung für Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik schon in der Schule fördern", sagte ZBI-Präsident Wilfried Grunau.
Ein konkreter Vorschlag des ZBI ist die Initiative "Ingenieur:innen ins Klassenzimmer". Ingenieurinnen und Ingenieure aus der Praxis können Schülerinnen und Schülern Einblicke in technische Berufsfelder geben und zeigen, wie ingenieurwissenschaftliche Lösungen im Alltag und bei großen Zukunftsaufgaben zum Einsatz kommen. Ergänzend regt der Verband ein länderübergreifendes Modellprogramm an, das dauerhafte Kooperationen zwischen Schulen, Hochschulen, Ingenieurvereinen und Unternehmen unterstützt.
Auch die Lehrkräftegewinnung spielte im Gespräch eine Rolle. Nach Auffassung des ZBI sollte qualifizierten Ingenieurinnen und Ingenieuren sowie anderen MINT-Fachkräften der Quereinstieg in den Schuldienst erleichtert werden. Ihre berufliche Erfahrung könne den Unterricht um anschauliche Beispiele aus der Praxis bereichern. Voraussetzung dafür seien verlässliche pädagogische Qualifizierungsangebote und transparente Anerkennungsverfahren.
Darüber hinaus machte der ZBI deutlich, dass die Förderung nicht mit dem Schulabschluss enden darf. Bessere Übergänge in technische Ausbildungsberufe und ingenieurwissenschaftliche Studiengänge sowie zusätzliche Angebote für Hochschulen und berufliche Weiterbildung seien notwendig, um die gesamte Bildungskette in den Blick zu nehmen. Auch die Verbindung von Digitalisierung und Nachhaltigkeit sollte stärker im Unterricht sichtbar werden.
Der Austausch im Deutschen Bundestag verdeutlichte damit, dass digitale Bildung und Fachkräftesicherung eng zusammengehören. Aus Sicht des ZBI bietet der Digitalpakt 2.0 die Chance, nicht nur die Schulen technisch zu modernisieren, sondern zugleich die Grundlagen für mehr technische Kompetenz und Innovation in Deutschland zu stärken. Der Verband sieht sich und seine Mitgliedsvereine dabei als mögliche Partner, um die Zusammenarbeit zwischen Bildungseinrichtungen und Ingenieurpraxis mit konkreten Angeboten zu unterstützen.
Digitalpakt 2.0: ZBI fordert mehr Gewicht für technische Bildung